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Unser Schulgebäude

Die Geschichte des Schulgebäudes.

Das Schulgesetz von 1874 regelte für das ganze Land den Bau von Schulen und Lehrerwohungen. Danach durfte der Platz für das Schulhaus nicht in der Mitte der Wohnbezirke liegen, nicht an verkehrsreichen Straßen oder in der Nähe von Gewässern und Gewerbeanlagen. Gefordert wurden Massivbauten. Die Schul­zimmer sollten hell und freundlich sein. Auf mindestens 3,50 m war die Höhe der Schulräume festgelegt. Auch die Zahl und Größe der Fenster und sogar die Höhe der Schulbänke bestimmte die Baube­hörde. Abweichungen von diesen Richtlinien bedurften der Geneh­migung der Abteilung für Schulangelegenheiten beim Minister des Inneren. Das Hauptgebäude unserer Schule ist das „neue Schul­haus von 1895“, und die Vorschriften wurden strikt eingehalten - bis auf den Standort. Welche Gründe die Aufsichtsämter bewo­gen, die Lage an der Eichel und im Wohnbereich als Ausnahme zu genehmigen, sind nicht bekannt. Vielleicht bestanden die Eichels­dorfer darauf, daß sie statt der Kirche wenigstens „die Schule im Dorf lassen“ wollten, sie galt wie gesagt wird, als Zierde des Dorfes“. Das 200 Jahre alte Schul­haus an derselben Stelle, ein Fachwerkbau, hatte ausgedient, wurde abgerissen und das Gebälk nach Wingershausen verkauft.

 Mit dem Neubau schienen die Schulsorgen der Gemeinde auf längere Sicht beseitigt. Einige Jahre nach dem 1. Weltkrieg läutete die neue Turmglocke (1921 gekauft von der Kirche in Gersdorf an der Oder) schon wieder über vollbesetzten Schulsälen. 70 - 80 Schüler saßen in jeder Klasse, nach dem Schulgesetz sollten es höchstens 50 sein. Das Schulgebäude wurde zwar 1926 renoviert, doch fehlte für die Einrichtung eines zusätzlichen Unterrichtsraumes auf dem kleinen Schul­grund­stück der dazu benötigte Platz, und auch die Geldmittel waren nach der Inflation äußerst knapp. Lehrer Würz, 1923 an unsere Schule versetzt, beurteilte die billigste Lösung des Problems so: „Ohne Einspruch der Behörde wurden aus den 2 ge­räu­migen Schulsälen 3 zu kleine Räume geschaffen, die modernen Ansprüche nicht genügen.“ Mit diesen beengten Schul­verhältnissen mußte man sich noch bis 1955 behelfen, und man­cher ehemalige Schüler kennt sie noch aus eigenem Erleben.

Bei Wiederbeginn des Schulbetriebes nach dem 2. Weltkrieg standen zunächst die Probleme der wirtschaftlichen Not der Men­schen im Vordergrund. Wichtig für die Schule war, daß Unter­richt wenigstens regelmäßig und ohne großen Stundenausfall erteilt werden konnte und der Staat sich um mehr Einstellungen von Lehrern bemühte. Nach der Phase des Provisoriums mußte man sich den Fragen einer ziel­gerichteten Bildung stellen. Die Ein­wohnerzahl hatte sich durch die neu eingebür­gerten Heimat­vertriebenen beträchtlich vergrößert, das hieß auch mehr Schüler (1949 = 174 Schüler). Die Notwendigkeit zu bauen stand nicht zur Diskussion, nur in welcher Größe und damit verbunden die Finanzierung. Anfang der 50er Jahre ließ sich die Entschei­dung nicht mehr hinausschieben: Neue Schule oder Erweiterung der bestehenden? Der „Kreisanzeiger“ berichtete am 16.10.55: „Die Gemeinde ent­schloß sich zu einem großzügigen Um- und Neu­bau der Schule. Bürgermeister Meuer hatte viel Arbeit, jetzt ist das Werk vollendet. Die Gemeinde kann stolz sein auf das, was in verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen worden ist.

 Das alte Schulhaus wurde gründlich renoviert und umgebaut, ein neuer Saal wurde im Pavillon-Stil gebaut. Aus drei Räumen wurden zwei geräumige. Für die Neu­bauten und den Schulhof stand nur ein langes, schmales Gelände zur Verfügung. Es wurde eine Lösung gefunden, die den Verhältnissen gerecht wird. Der neue Pavillon teilt den Schulhof in zwei miteinander verbundene Spielplätze. Er hat nach Westen zu große Fenster, die den Raum mit Licht durchfluten. Die Außenwand zeigt ein sehr schönes Sgrafitto-Bild.

 Hinter der Pausenhalle liegen die sanitären Anlagen, Waschräume, Badeanlagen, Garderoberäume. Diese Räume haben ihre Entlüftung oberhalb des Daches der Pausenhalle, dadurch hat diese ein ganz eigenartiges Bild bekommen...

 Man muß schon sagen, daß die „Erweiterung“ sich lediglich auf das Schulgrundstück und die Vergrößerung der Schulräume be­schränkte, für den Unterricht standen wie vorher nur 3 Klassen­zimmer zur Verfügung. Mit einem vierten Schulsaal, der ur­sprünglich eingeplant war, hätten sich keine Raumprobleme in absehbarer Zeit ergeben. Die Schwierigkeiten begannen in den 60er Jahren, als durch Senkung der Klassenfrequenzzahl der Schule die vierte Stelle zugewiesen wurde. Um Schichtunterricht zu vermeiden, diente die Bühne im neuerbauten Bürgerhaus einer Klasse als Ersatzschulraum. Im Rahmen der Schulreform bildeten 15 Gemeinden im Umkreis im August 1966 einen Schulverband mit dem Ziel der Errichtung einer Mittel­punktschule in Nidda. Nach der Satzung sollten u. a. die Hauptschüler ab 5. Schuljahr zen­tral unterrichtet werden. Der Abschluß der erforderlichen Bau­maß­nahmen verzögerte sich aufgrund unterschiedlicher Auffas­sungen in der Schul­politik, und erst seit 1. August 1977 sind alle Oberstufenjahrgänge in Nidda zusam­mengeführt.

 Mit dieser organisatorischen Änderung war auch gleich­zeitig die Raumnot an unserer Schule beseitigt. Wo vorher oft bis zu 50 Schüler aus zwei oder drei Jahr­gängen eine Klasse bildeten, konnten in der Grundstufe erstmalig Jahrgangsklassen eingerichtet werden. Für das 1. - 4. Schuljahr mit zusammen etwa 80 Schülern erga­ben sich dadurch fast optimale Unterrichts­bedingungen. Der Kreisausschuß, zuständig für die Unterhaltung der Schulen im Kreis, bewertete die Schulsituation ebenso positiv und stellte die beantragten Geldmittel für die Außenrenovierung der Schule zur. Ver­fügung. Das Dach des Hauptgebäudes wurde 1985 gründlich instandgesetzt und mit Schieferplatten neu eingedeckt, außerdem erhielt 1986 die Außenfassade einen neuen Anstrich, Gesamt­kosten etwa 150.000 DM. Mit einem Schulfest feierten Schüler, Eltern und Lehrer (bei tropischen Temperaturen) das besondere Ereignis, auch wenn ihre Freude mit leichter Enttäuschung ver­bunden war. Die Denkmal­schutzbehörde entsprach nicht ihrem Wunsch, dem Schulhaus einen „kinderfreundlichen“ Farbanstrich zu geben, sie bestand unverständlicherweise auf einem „klassischen“ Grauton.

 Eine neue Schulfrage zeichnete sich anschließend ab und bewegte die Eltern und Schulpolitiker: Die Schülerfrage, d.h. der starke Geburten­rückgang und sich daraus ergebenden Konsequenzen. Unsere zweiklassige Schule war aufgrund der gesunkenen Schülerzahlen in ihrem Bestand gefähr­det, der Schulentwicklungsplan wurde diskutiert, Entscheidungen standen bevor. Werden Schüler in Eichelsdorf 1995 das 100-jährige Jubiläum in „ihrer“ Schule feiern kön­nen ?

Und wie ging es weiter ?

 Das Jahr 1995 ist erreicht. Die zweiklassige Schule vom Jahre 1987 ist nicht mehr in ihrem Bestand gefärdet. Dank des entschlossenen Widerstandes der Elternschaft, der durch Herrn Wieland Sprengel als Elternvertreter erfolgreich geführt wurde, konnten die zuständigen Gremien überzeugt werden, die Grundschule in Eichelsdorf bestehen zu lassen.

 Schüler, Eltern und Lehrer können in „ihrer“ Schule das 100jährige Jubiläum feiern. Aus einer zweiklassigen Schule ist sogar eine dreiklassige geworden. 50 Kinder werden es in Zukunft sein, 2 2/3 Lehrerstellen sind besetzt.

 Nach dem neuen Schulentwicklungsplan können wir sogar vorübergehend mit einer vierklassigen Schule rechnen.

 Im Vertrauen auf die Zusicherungen des zuständigen Schuldezernenten ist die Zukunft der Grundschule Eichelsdorf gesichert, und die Kinder werden in den näch­sten Jahren in Jahrgangsklassen oder kombinierten Klassen mit voller Stundenzahl unterrichtet werden.

 Aufgrund der stetig sinkenden Schülerzahl wurde zunächst ein Transfer der Schüler nach Oberschmitten vorgenommen. 2011 wurde dann der Schulbetrieb gänzlich eingestellt.

Auszug aus „800 Jahre Eichelsdorf“ nach Wilhelm Würz, Band 13
und der Chronik "100 Jahre Schulgebäude Eichelsdorf"

Ergänzungen von Joachim Gottwald und Werner Rau

   

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